Das KERRANG! Magazin gehört im Vereinigten Königreich seit Langem (erste Ausgabe erschien 1981) zu den beliebtesten Musikmagazinen. Am Mittwoch erschien die erste deutsche Ausgabe seit dem Ende der 90er Jahre. Viel Werbung, viel Hype.
Don't believe the hype.
Das Hauptproblem ist wohl, dass die deutsche KERRANG! sich selbst nicht sicher ist, was sie eigentlich sein möchte. Der kleine Bruder der britischen KERRANG! oder der deutsche Cousin? Klatschmagazin oder ernsthafter Journalismus? Ernstzunehmendes Musikmagazin oder alternatives Teeniemagazin?
Im Editorial kündigt das Magazin an, sowohl einen weiten Blick über den Tellerrand zu werfen, als auch die deutsche Musikszene unter die Lupe zu nehmen.
Tatsächlich finden als deutsche Bands dann die Beatsteaks und Rammstein Erwähnung - der Rest ist übersät (vielmehr: ÜBERSÄT) mit "Berichten" über ausländische Bands.
Da fragt sich der Leser ernsthaft, ob Deutschland im Bereich der alternativen Musik keine anderen Bands als die Beatsteaks und Rammstein zu bieten hat.
Inhaltlich sind die Artikel über die deutschen Verfechter guter Musik akzeptabel - was jedoch GAR NICHT geht ist der Test auf Seite 60: Was für ein Beatsteak bist du?
WTF?
Der Großteil des Magazin wird also von der ausländischen Musikszene dominiert. Prinzipiell ok, allerdings kann die Menge der präsentierten Bands sowie die inhaltliche Ausgestaltung der Artikel hier nicht der Ernst der Herausgeber sein.
Gefühlte 1000 Bands werden dem Leser mit teilweise völlig sinnfreien Kurzartikeln vorgestellt. Beispiel: 30 Fakten über Jared Leto von 30 seconds to mars. Das Witzigste an dem Artikel ist, dass die Verfasser von allein darauf gekommen sind, 30 Fakten über 30 seconds to mars zusammenzusuchen. Wahnsinn.
Wer wollte nicht schon immer mal wissen, dass Jared bisher nur einmal Karaoke gesungen hat und keine Seife benutzt?
Ein journalistisches Highlight ist auch die "News" Seite 12. Hier erfährt man, welches das Lieblingsshirt von Mille ist oder welche "mörderischen Hobbys unsere Lieblingsrocker" haben. WOW.
Und auch Make-up- und Stylingtips bekommt der geneigte Rockfan mitgeliefert. Eine ganze Doppelseite (90/91) ist für Beauty Tips von -Achtung: festhalten- Alice Cooper und Andy Biersack reserviert. Was alle Beautyjunkies unter den KRRANG! Lesern freuen wird: die Mitglieder der Black Viel Brides schwören auf Produkte von MAC. WAHNSINN.
Ob darüber hinaus die Rubriken GAMES und DVDs in eine Musikzeitschrift gehören, ist äußerst fraglich, aber wohl Geschmacksache.
Das Beste an der KERRANG! sind eindeutig die REVIEWS. Hier ist die Auswahl ausgewogen und die Texte handeln auch tatsächlich größtenteils von dem, worum es in einer Zeitschrift wie der KERRANG! eigentlich gehen sollte: MUSIK.
Alles in allem fürchte ich, dass die Zeitschrift sich auf dem deutschen Markt nicht durchsetzen wird, da es einfach zahlreiche Musikmagazine gibt, die um Längen besser sind.
Das KERRANG! Magazin sollte sich fragen, wohin es eigentlich will. Die Artikel enthalten keine Informationen, die Fans nicht schon kennen. Und sich intensiv mit Musik auseinandersetzen ist auch nicht gerade die Stärke der Verfasser.
Vielleicht kommt der leichte Gossip-Eindruck, den das Magazin hinterlässt, von der Zugehörigkeit zum Bauer Verlag. Von dort kommen auch Magazingrößen wie die BRAVO und die In Touch. Lässt man die gleichen Redakteure auch für die KERRANG! schreiben?
Hauptsache ich habe jetzt endlich ein XXL-Poster von Dave Grohl, auf dem die Foo Fighters einen Gig in seinem Mund spielen.
OMG.
weiblich. 26 jahre. kritisch, launisch, begeisterungsfähig. ich kann nicht leben ohne kaffee und cola light. verbotenes übt auf mich einen gewissen reiz aus. liebe mein blackberry und kann nicht ohne meine camera. lieblingsfarbe: schwarz. irgendwo zwischen rockstar und dem mädchen, mit dem niemand zum tanzkurs ging. früher viel zu oft versucht, dazuzugehören. oft und laut Musik hören, die sinn macht. ungeschminkt unausstehlich. perfektionistisch, ehrgeizig. teufel und engel.
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